Freitag, 7. September 2007

The Circle of life (gewidmet Elton John)

Ueberfluessig zu erwaehnen, dass man im Krankenhaus von Geburt bis Tod alles mitbekommt, aber auch ausserhalb geht es vornehmlich immer um die elementarsten Dinge des Lebens. Jeden Tag trifft man Menschen, die naechste Woche heiraten oder deren Grossmutter gerade "expired" ist (Kreditkarten expirern, Menschen koennen "died" oder "passed away" sein, aber nicht expirern fuer mein Sprachverstaendnis, dennoch ist das "expire" das Wort der Wahl fuer diesen Umstand).

Und ich darf berichten (und ich mache es kurz, denn so eine Geschichte koennte der Herr Feger viel besser erzaehlen als ich), dass mir zumindest ein Vater einer Krankenschwester bereits vorgestellt wurde, der mich fragte, was ich mache, woher ich komme, was ich werden will und erklaerte, dass eine Cousine von ihm auch einen deutschen Mann geheiratet habe. Auch...? Andere Aerzte wiederum erklaerten mir, dass wenn ich ne Inderin heiraten wollte, ich mich nur zu melden braeuchte. Und ich koenne mir auch aussuchen, was sie studiert hat und ob sie aus Varkala, Tiruvalla, Trivandrum, woher auch immer sei. Meinen Einschaetzungen zufolge waere eine solche Hochzeit auch durchaus noch innerhalb der befristeten Zeit, die ich hier in Indien habe, vollziehbar. Mehr als sieben Tage Vorlauf braucht dieses Ereignis in der Regel nicht.

Um diese Angebote hoeflich aber bestimmt abzulehnen, schiebe ich dann in der Regel meine Mutter vor, die doch sehr traurig waere, wenn ich eine Inderin heiraten wuerde, weil sie dann Angst haette, ich wuerde nicht wieder nach Deutschland kommen und sie mich nie mehr wiedersehen. Darum wuesste ich nicht, ob ich die Erlaubnis bekaeme. Und das leuchtet natuerlich jedem ein. ("Jaja, deine Mutter...")

Donnerstag, 6. September 2007

Tote Fische

Nichts beschreibt die Abneigung des plastischen Chirurgen, gegenueber den neurochirurgen und Dental surgeons, die ihm durch ihre "dreckigen Machenschaften" eine Prozedur nach der anderen wegnehmen und die er dann alle - zeitversetzt - dann wieder herrichten kann, so treffend, wie die Geschichte, die er gestern erzaehlt hat:

Yesterday somebody fell into the pont in front of the hospital. Two Fish died. They brought the fish to casualty, neurosurgeons and dental surgeons, both came and tried to save them, but they couldn't do anything for them.

Das Fischcurry im Krankenhaus is uebrigens sehr sehr schlecht, der fried fish bei Gidon's Verwandten wiederum ausgezeichnet. Das einzige Fischcurry, das ich allerdings hatte, dass annaehernd an das vom Max in Spananien herangekommen ist, gabs vor einigen Wochen in Varkala, Stadt am Meer. Das war nicht zu verachten. Aber wie gesagt, besser war das vom Herrn Schimmele und ich weiss gar nicht, ob ich das hier nicht schonmal gepostet habe...

Mittwoch, 5. September 2007

Madi! Madi!

Eines der wichtigsten Woerter in malayalam: madi - genug. Wird am Tag tausendmal gebraucht. Am schoensten aber ist es, wenn ein Kind einen Gips angelegt bekommt und unter Traenen aus voller Brust durch die Casualty schreit: "MAADI! MAADI!"

Das wichtigste Organ des Menschen...

Man erinnert sich an den 70jaehrigen Arzt in der Notaufnahme? Gut. Gestern wieder einen schoenen langen Vortrag der Sorte "die ganze Medizin in 10 min" gehabt. Von Bedside Manners bis Hirntumor. Mehrmals musste ich, obwohl es irre spannend war, beinahe lachen, weil ich an Michaels Parodie auf den guten alten Art Gisolf denken musste ("und wenn sie Bauchschmerse habe muesse sie Kamilletee trinken. Und wenn sie Schmerze im Fuss habe muesse sie amputieren").

Das Best of:

If a patient is coming with fever, you give Paracetamol. And the fever will be gone.

To prevent reaction any patient that you give medicine for, should also get an antihistaminic. That is the safest thing in the world.

If a patient is coming with chest pain and pain in the left shoulder, you write an ecg. If you see ST-Depression, you refer him to cardiology. If there is no ST-Depression, no treatment is needed.

If a patient comes with epigastric pain, he will have accute pancreatitis. We will treat conservatively but it is very important to think about pancreatitis, because the pancreas is the most important organ of the entire body.

If a patient is coming with fever and joint pain, he will have viral fever. You give paracetamol, diclofenac and like always an antihistaminic!

If a patient is coming with fever, with constant coughing, you give antituberculotic drugs for six months and you will save the life of the patient.

Happy Teachers Day

An all die Lehrerinnen und Lehrer da draussen, an alle Lehramtsstudentinnen: Happy Teachers Day. Ja, da schaut ihr, was? Einmal mehr hat der Inder zugeschlagen und einen mehr oder weniger ueberfluessigen working holiday geschaffen, soll heissen, es wird zwar gearbeitet, aber feiern/wild durch die Gegend gratulieren darf man trotzdem.

Dass das Happy Teachers Day-gewuensche natuerlich auch ein bisschen was vom Absolutismus in seiner reinsten Form hat, ist selbsterklaerend, wenn man bedenkt, was fuer eine Scheissangst die Inderkinder/Medizinstudenten vor ihren Lehrern/Professoren haben. Mein lieber Schieber! So viel Respekt hat glaube ich noch nicht einmal meine Grosselterngeneration vor den Paukern gehabt.

Und dass so eine Angst absolut kontraproduktiv ist, werden mir die Paedagogen da draussen sicherlich bestaetigen koennen, denn wenn die Hand zittert wie Espenlaub (schreibt man das so), dann kann man auch keine Wunde zunaehen. Und ich bin ja auch immer noch der Ansicht: eine gefluesterte Antwort ist keine Antwort.

Dienstag, 4. September 2007

Soggewaeschablues

Ja, das war mein Nachmittag:

Isch steh am Beggerand/
un wasch mei Sogge/
dann wring isch sie aus/
dann sin se trogge

Hey ihr leit heart gut zu/
des is da soggewaeschablues.

Nachdem die Laundry hier 5Rs (10Cent) das Stueck (egal ob Stringtanga oder Ganzkoerper-Elvis-Kostuem) kostet, dachte ich, es waere vernuenftig, die Socken vielleicht selbst zu reinigen. Gestern war es mal wieder so weit. Ach und neulich ist mir meine Aryuvedaseife ins Klo gefallen, das war etwas aergerlich.

Was fuer ein herrlich ueberfluessiger Blogeintrag...

Haare Krishna

Der Chef der Generalchirurgen hatte ja angedeutet, dass ich fuer die letzten ein bis zwei Wochen nochmal das Department wechseln koennte und nachdem ich zunaechst mit den Orthopaeden geliebaeugelt hatte, habe ich mich nun doch dem plastischen Chirurgen angeschlossen, vornehmlich, weil der einen im Grunde die komplette OP machen laesst. Zum Beispiel submandibulaeres Lipom entfernen (das sich dann als Talgzyste herausstellte, man stelle sich einen Eiterpickel von 2cm Durchmesser vor, der unter der Haut liegt und wenn man ihn anschneidet, froehlich beginnt sich auszuquetschen). Oder auch mal Hauttransplantate herstellen und verpflanzen. Grosser Spass!

Im Anschluss an den ersten OP-Tag bin ich dann auch gleich in sein Auto geladen worden (dass die meiste Zeit von seinem Achtjaehrigen(!) Sohn gefahren wurde, der auf dem Schoss des Vaters sass und selbstaendig lenken, schalten, bremsen, gasgeben kann), um mit ihm in seine Heimatstadt zu fahren, denn Montag war Krishnas geburtstag. Die Hindus haengen dann Heiligenbilder von Krishna auf dem Arm der Mutter auf und bis auf die Tatsache, dass Krishna als Baby blau war, sehen diese Bilder wie Madonnendarstellungen aus.

Gegen Abend fand eine grosse Prozession statt, bei der die Kinder der Stadt allesamt als kleine Krishnas verkleidet durch die Gegend marschierten (man stelle sich oberkoerperfreie Sternsinger vor) und aus grossen, an Rickshaws befestigten Lautsprechern das "Hare Hare Krishna Krishna Hare Krishna Hare" erklang.

Apropos Haare: diesbez. kann ich uebrigens nur immer wieder auf das unsaegliche Lied von Joachim Deutschland verweisen, "sie sind neidisch auf meine Haare", jeder liebt meine Haarfarbe und alle wollen wissen, ob das Natur ist (ich meine, hey, wer faerbt sich die Haare schon Strassenkoeterblond?) Dass Le Friseur leider etwas gelitten hat, da ich mich in die Haende eines dem englischen nicht maechtigen Friseur ergeben habe muessen (sie wurden einfach viel zu lang und das war nichts fuers Krankenhaus, wo sie doch hier mit solchen Sachen bei ihren eigenen Studenten so wahnsinns streng sind) und natuerlich werden auch gezeigte zwei Zentimeter froehlich missverstanden. Auf Wiedersehen Deckhaar, herzlich willkommen Quadratschaedel. Naja, verwaechst sich schon langsam, is ein paar Wochen her.

Samstag, 1. September 2007

Einsatz, Umsatz, Effizienz

Auch Samstags wird normal gearbeitet. Eigentlich. Jede Abteilung versucht aber, so wenig OPs wie moeglich auf den Samstag zu legen. Verstaendlich. Dementsprechend waren heute nur die Orthopaeden am operieren (weil die immer am operieren sind), allerdings nur eine groessere (Trochanter #) und drei kleine (eine ohne Anaesthesie, zwei nur mit Gasschnueffeln) Prozedur. Die einzelnen OPs fanden zwar in zwei verschiedenen Saaelen, aber alle zeitlich hintereinander statt. Worauf ich hinaus will: ich habe 7 (!!!), in Worten SIEBEN fertig ausgebildete Anesthesisten auf dem Gang stehen sehen, die allesamt NICHTS zu tun hatten, aber den GANZEN Samstagvormittag eingeteilt waren. Und als ich mich dann fragte, wer denn nun eigentlich die Anaesthesie der laufenden OP gerade macht, wurde mir bewusst, dass Nr. 8 damit gerade beschaeftigt war. Wenn das mal nicht ein sauberes Management ist...

Aber so isses bei allem. Drei bis vier Leute operieren, zwei bis drei OP-Schwestern sind steril, die Anesthesie hat in der Regel ebenfalls zwei Assistenten, der Chefarzt operiert zwar nicht, kuckt aber meistens zu und dann sind pro Saal etwa vier bis fuenf Springer eingeteilt. Wenn dann auch noch Studentenunterricht stattfindet, stehen 20 (!) Jungs und Maedels im Weg und dann sind wir fuer ne Leistenhernie, mich eingeschlossen etwa 37 Personen, die gleichzeitig um den Patienten Ringelreien tanzen. Und das ist kein Maerchen, sondern in dieser Form durchaus schon vorgekommen. Bei Notfall-OPs in der Nacht ist man immerhin zu neunt (in Dtl. meist zu viert) . Und trotzdem dauert jeder Eingriff dreimal so lange wie bei uns, weil niemand, aber auch wirklich gar niemand mitdenkt, geschweige denn weiss, was er denn zu tun hat und wenn dann nach etwas verlangt wird (Handschuhe in ner anderen Groesse), machen sich vier Leute auf die Suche, so dass, sollte in den fuenf Minuten, bis sie wiederkommen, noch etwas anderes fehlen, niemand da ist, um sich dadrum zu kuemmern. Schlimmschlimm.

Freitag, 31. August 2007

Effiziente antihormonelle Therapie

Die bevorzugte antihormonelle Therapie beim Prostata-Ca ist hier, weil sowohl guenstig als auch effizient: die Kastration. Dankeschoen.

"Dieser Fellow...bitte!"

Eines der meistgebrauchten Woerter vom Otto, "Fellow", hat er sich hoechstwahrscheinlich in Kerala abgeschaut. Hier ist auch alles und jeder ein "Fellow". Ein guter Freund, ein inkompetenter Pfleger, eine einzeln stehende Palme, eine Pinzette, eine Klemme, Patienten, Studenten, Aerzte, alles.

Mehr oder weniger im Zusammenhang dazu eine Frage an den Sprachwissenschaftler: wie ist ein Dialekt definiert, wie ein Akzent? Moechte wissen/herausfinden, um was es sich beim indian english handelt...

Nichts als Theater

Dass der Operationssaal im Britsh English, folglich also auch im Indian English als "Operation Theatre" bezeichnet wird, das hatte ich ja bereits erwaehnt. Dass der Not-OP in der Botaufnahme folglich das "Emergency Theatre" ist demzufolge nachvollziehbar und vom Begriff her mindestens genauso schoen. Vor allem, wenn man sich das so vorstellt:

"was haben wir hier?"
"nen Shakespeare"
"oh, das is n Koenigsdrama, da muessen wir nen Regisseur hinzuziehen"

Auftritt Regisseur.

"schon wieder n Shakespeare? Das is der dritte die Woche. Oh! Sehe schon, is n Richard III. Da brauchen wir nen Buehnenbildner. Und schickt mir ein paar Schauspieler in das Emergency Theatre. Wir fuehren noch heute auf!"

Und vor einigen Tagen bin ich ueber noch eine weitere Einrichtung gestolpert, das "Postmortem Theatre". Da spielen sie wahrscheinlich die ganze Zeit Ibsens "Wenn wir Toten erwachen."

limportantcestdaimer03

Mittwoch, 29. August 2007

Sweet Home Chicago

Und schon wieder ein Bericht ueber Inder from abroad. Deshalb gibts dafuer jetzt auch ne eigene Rubrik...

Am Sonntag hat mich Dr. Monoj (Chirurg) nach Varkala an den Strand (man stelle sich die Kueste Englands vor mit Palmen, 30 Grad und Sonnenschein und setze zwanzig italienische Restaurants, fuenf german Bakeries und ein duzend franzoesische Bistros direkt an die Klippen, verwueste das mit rotgebrannten Europaern vom unangenehmsten Typ und aergere sich dann, dass die Unglaublichkeit dieses Ortes total zerstoert ist durch jene, die ihn besiedelt haben) und schliesslich abends nach Trivandrum, Keralas Hauptstadt, wo sie wieder feste Onam gefeiert haben mit Elefanten, Motorcyclecircus,Lichterketten und Laerm. Abends war ich dann bei seiner Familie und puenktlich zu Onam hatten die Besuch vom Onkel aus - Chicago.

Ein Inder, der abgesehen von seiner Hautfarbe aussieht wie der letzte Ami, der den perfekten Amislang spricht, der Leuten am Telefon erzaehlt "yeah, you won"t believe it, I met a guy from germany who's been to Chicago! Yeah! He knows the house of blues man and he's seen Buddy Guy but they didn't let him into Legends, not kidding man!", ein Hindu, der dir erklaert, wie er sein beefsteak am liebsten mag, waehrend die restliche Hindufamilie beschaemt zu Boden schaut, der auf die vorsichtige Frage nach dem Superbowl so sachen sagt wie "Don't ever mention the name "grossman" to me again! That kid's fucked-up!" und der hier, in seinem Doti sitzend, ordentlich Fishcurry in sich reinschaufelnd, doch eine ganz und gar, mal wieder, unwahrscheinliche Gestalt abgibt. Was er in Chicago macht? Da lacht er "Mostly living". Und Monoj erklaert mir spaeter, dass die Frau, von der er mittlerweile, so gehoert sich's in den Staaten eben, geschieden ist (ebenfalls ziemliches no-no fur die Inder), damals vor 30 Jahren als Krankenschwester ruebergemacht hat und ihr Maenne mitgenommen hat. Jetzt macht er da irgendwelches Business, aber keiner weiss nix genaues.

Und dass ich das Angebot "next time u r in Chicago, just drop by" sicherlich wahrnehmen werde, dass kann sich nicht nur der Herr Haefner denken...

Dienstag, 28. August 2007

AeZB laesst gruessen (Umlaute ole ole)

Das Gebaeude von Bibliothek,Vorklinik, Patho und Mikrobiologie auf dem Campus des Pushpagiri Medical College. Hier sitze ich tippenderweise im zweiten Stock. ATgAAABL4pHVrMNHcuv9JSZGIzmmnIjxDT5KSfhg5zhsMa5tB1fp_dGFBOnuJOIs6JGw-gxGZxioMCVlIYz50CZRb0_wAJtU9VAQixb8aXZvEp6Db83-93KCrhpUww

Onam reviewed

Gerade im "My Pictures "-Ordner auf diesem Rechner in der Bibliothek gefunden: Fotos vom Blumenarrangement am 23. Meine Kamera is ja schliesslich undigital. Es lebe der Diaabend...

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Tool Time

Mehr und mehr Kontakt mit den Orthopaeden fuehrte dazu, dass ich vor zwei, drei Tagen meine erste Schraube in einen Knochen hauen durfte. Hier ein paar so gefallene Saetze aus dem OP in englisch, weil sie sonst nicht lustig sind.

"Do you know how to screw?"
"Yes."
"Have you screwed before?"
"No."
"What is the most important thing if you want to screw?"
"First you need a hole that you can screw."
"Right. So if you want to screw, you either have to find a hole or you have to make a hole that you can screw. Would you like to screw?"
"Yes please."

Und nach der Prozedur:

"Now you can tell your friends in Germany that you finally screwed somebody."

Und dass der Patient waehrenddessen (da Spinale) in allen ihm bekannten Sprachen das OP-Team angesprochen hat und ich auf diese Weise auch ein paar Brocken Franzoesisch ausgraben musste, dass die OP irgendwann nach 11pm stattfand und dass die Ortho-Jungs ob des grandiosen Wortspieles mit dem Schrauben bestgelaunt zu Werke waren, machte diesen Abend zu einem der bisherigen Hoehepunkte des Krankenhausaufenthaltes.

"Jetzt schau ich auf die Uhr gleich, weils Zeit wird fuer mein Ureich."

Ben Becker ausser Lebensgefahr. Danke GMX fuer dies Information. Trinkt bitte alle ein Eichbaum fuer mich mit!bb-fuer-ureich-3
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